Die Kraft des Zweifelns. 13.-15. Oktober 2016

Systemisches Denken hinterfragt die gewohnten Weisen, die Welt zu sehen. Getragen von der Einsicht, dass all unser Wissen nur relativ zu unseren Bezugssystemen gilt, stellte systemisches Denken tradierte Gewissheiten in Wissenschaft, Gesellschaft und alltäglichem Handeln in Frage. So lädt systemische Theorie zur Skepsis gegenüber vermeintlich sicherem Wissen ein und zeigt zugleich, dass eine solche Haltung mit einer gelingenden Handlungspraxis einhergehen kann.

Am pointiertesten zeigte sich der Unterschied zu anderen Positionen in den 1980er-Jahren im Umgang mit psychischen Abweichungen. Heftig wurde darüber gestritten, ob es sinnvoll ist, diese als „krank“ zu bezeichnen. Die kritische, selbstreflexive Haltung ist aus dem Denken weitgehend verschwunden, gesellschaftliche Reflexionssperren greifen um sich. Sie verhindern das Weiterdenken, weil sie mit Begriffen operieren, die man nicht mehr zu hinterfragen wagt.

Kaum merklich werden auf diese Weise die Denk- und Handlungsräume kleiner, in denen wir uns bewegen. Ebenso unmerklich gerät der Begriff „systemisch“ – auch durch seine Inflationierung – in diese unhinterfragbaren Sphären. Wird das dazu führen, dass allein der Verweis auf „abgesicherte“ Methodik ein Nachfragen erübrigt?

Mit unserem Kongressthema »Die Kraft des Zweifelns – Systemische Praxis in Zeiten ›sicheren‹ Wissens« haben wir u.a. hinterfragt, wer bestimmt, was »gesund«, was »krank« ist und wie sinnvoll es ist, mit diesen Begriffen zu operieren. Dabei haben wir eine wichtige Ressource des Systemischen wieder wachgerufen: Reflexionsbereitschaft - auch gegenüber dem eigenen Denken und Handeln.

Wissenschaftliche Leitung: Hans Rudi Fischer, Arist von Schlippe, Ulrike Borst

Ehrengäste: Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin (Heidelberg) Prof. Dr. Dr. Joseph Duss-von Werdt (Luzern)

Referenten: Maria Borcsa, Ulrike Borst, Frank E.P. Dievernich, Angelika Eck, Hans Rudi Fischer, Allen Frances, Hans Geißlinger, Peter W. Gester, Ágnes Heller, Stefan Junker, Heiner Keupp, Heiko Kleve, Björn Kraus, Jürgen Kriz, Josef Mitterer, Cornelia Oestereich, Günther Ortmann, Bernhard Pörksen, Jonathan Rée, Martin Rufer, Günter Schiepek, Arist von Schlippe, Bernd Schumacher, Jochen Schweitzer, Fritz B. Simon, Heinz Klaus Stahl, Maja Storch, Jürgen Straub, Wolfgang Tschacher, Harald Welzer 

Mitveranstalter des Kongresses war das Heidelberger Institut für systemische Forschung e.V. und die IGST e.V.

www.kraft-des-zweifelns.de